
[ WEINE ]
5 Lektionen über das Leben und den Wein.
von Jimmy Smith, Wine Educator in den Vereinigtes Königreich.
Jimmy Smith hat die West London Wine School gegründet und gehört seit mehr als zwanzig Jahren als feste Größe zur Welt der Weinausbildung und -beratung.
Ihm kommen keine hochtrabenden Vorträge über die Lippen, die kein Ende nehmen wollen. Unter dem Pseudonym Wine with Jimmy macht dieser spritzige Wine Educator das önologische Wissen anhand von lockeren und unterhaltsamen Videos für jeden zugänglich, sei es für die Vorbereitung auf das WSET-Zertifikat oder um schlicht und ergreifend ungeahnte Weine zu entdecken und erkunden.
Als leidenschaftlicher Verfechter einer inklusiven und universellen Weinbildung teilt er mit uns fünf Erkenntnisse, die seinen Werdegang in der Art von Revolutionen geprägt haben - und die auch unseren Blick auf Wein verändern könnten.
01.
Aufgeschlossenheit: der Schlüssel für den perfekten Weingenuss
Aufgeschlossenheit ist für Jimmy die wichtigste Eigenschaft für den perfekten Weingenuss. „Viele Leute klammern sich an das, was sie kennen, ob Rebsorte, Stil oder Region“, erklärt er. Liebhaber der Malbec-Traube könnten die Weine aus der argentinischen Criolla-Traube oder der chilenischen País-Traube verschmähen, nur weil sie nicht ihren Gewohnheiten entsprechen. Damit es nicht soweit kommt, ermutigt er alle dazu, einen Wein nach dem zu beurteilen, was er ist, ohne sich von früheren Erfahrungen beeinflussen zu lassen. Er selbst stellt sich dieser Herausforderung und gab kürzlich dem Amarone (einem Rotwein aus Venetien, der aus Trauben hergestellt wird, die etwa 100 bis 120 Tage lang auf Gestellen getrocknet werden, Anm. d. Red.) - einem Stil, den er zuvor geflissentlich gemieden hatte - wieder eine Chance, um besser zu verstehen, wie die Winzer diesen Wein entwickeln. Ob Weine mit niedrigem Alkoholgehalt oder unbekannte Rebsorten - Jimmy ist davon überzeugt, dass die besten Entdeckungen nur dann gemacht werden, wenn man seine Komfortzone verlässt: „Für den Genuss von Wein wie auch des Lebens braucht es eine gute Portion Neugier und Offenheit“.
02.
Den Mythos der Mineralität hinterfragen: zwischen Wissenschaft und Glauben
Dass die Mineralität des Weins direkt aus dem Boden kommt, ist ein weit verbreitetes Missverständnis. „Viele glauben, dass ein Boden, in dem Silex bzw. Feuerstein vorkommt, einen Wein mit mineralischen Noten hervorbringt, aber die Wissenschaft bestätigt diesen direkten Zusammenhang nicht“, erklärt Jimmy. In Wirklichkeit sind es vor allem bei der Weinbereitung ablaufende chemische Reaktionen, die eine große Rolle bei der Wahrnehmung der Mineralität spielen, insbesondere während des Ausbaus des Weins auf der Hefe. „In Burgund und anderen großen Weinbauregionen lassen die Winzer den Wein auf der Hefe liegen, anstatt sie regelmäßig aufzurühren, wodurch Schwefelverbindungen freigesetzt werden, die die rauchigen, steinigen oder mineralischen Eigenschaften verstärken“, erklärt er. Diese Technik hat einen weitaus größeren Einfluss auf die Mineralität als der Boden selbst. Diese Entdeckung hat selbst bei einigen Fachleuten - Masters of Wine – für Erstaunen gesorgt. „Die Weinverkostungen belegen diese Entdeckung: Der Unterschied ist eindeutig“.
03.
Die Offenbarung der Orangeweine: eine jahrtausendealte Weinherstellungsmethode für einen zeitgemäßen Wein
Sein erster Kontakt mit einem Orangewein aus dem Friaul in Italien im Jahr 2010 erscheint ihm wie eine Anomalie - oxidativ, tanninhaltig und flüchtig. Eingehendere Untersuchungen zeigten ihm allerdings, dass es sich um eine uralte Methode handelt, die jahrhundertelang von den Römern und Georgiern praktiziert wurde. „Anstatt einen Wein nach klassischen Standards zu beurteilen und gegebenenfalls abzulehnen, habe ich mich gefragt: Warum wurde Wein auf diese Weise hergestellt?“. Neugierig geworden hat er weiter geforscht und herausgefunden, dass Zivilisationen wie die Etrusker, Phönizier und Griechen bereits Amphoren verwendeten und die lange Maischegärung praktizierten. Heute führen Winzer in Georgien, Armenien und der Türkei diese Traditionen fort und stoßen die Renaissance dieser althergebrachten Weinherstellungsmethode in einer modernen Variante an. Mittlerweile ist Jimmy ein glühender Verfechter von Orangeweinen, die er regelmäßig in seine Verkostungen aufnimmt. „Anfangs zögern die Leute“, erzählt er. „Aber wenn sie die Weine mit Speisen kombinieren, sind sie begeistert - genau wie ich vor vielen Jahren.“
04.
Vielfalt fördern: Für eine integrativere Weinbildung
Ein Kommentar zu einem seiner Online-Videos hat ihn dazu veranlasst, über seine Art des Unterrichtens nachzudenken. Bei seinen Erklärungen zu Aromen wie schwarzer Pfeffer oder Erdbeeren wies ihn ein Internetnutzer darauf hin, dass seine Bezugnahmen zu stark in der westlichen Welt verankert seien. „Mir wurde klar, dass nicht alle Menschen diese Aromen auf die gleiche Weise wahrnehmen“, erklärt er. „Eine geschmackliche Verbindung, die ich mit schwarzer Johannisbeere assoziiere, könnte für jemanden aus einer anderen Kultur eine ganz andere Frucht hervorrufen.“ Heute konsultiert er Experten, um seine sensorischen Bezüge zu erweitern und seine Kurse integrativer zu gestalten. „Für diese Art des Unterrichtens ist mehr Recherche erforderlich, aber so sollte Weinbildung sei, nämlich ganz und gar weltumspannend“.
05.
Die Zukunft des Weins: Warum Sie Ihren Blick fest auf das Vereinigte Königreich und Ontario heften sollten
Das Vereinigte Königreich und Ontario galten lange Zeit als zu kalt, um Qualitätswein zu produzieren. Heute sind beide Regionen führend in der Herstellung von Schaum- und sogar Stillweinen. „Diese Regionen haben sich von experimentellen Weinbaugebieten zu ernsthaften Weinbauakteuren entwickelt“, erklärt Jimmy. „Ontario war früher nur für seine Eisweine bekannt, glänzt aber mittlerweile mit Schaum- und Stillweinen, während britische Schaumweine ernstzunehmende Konkurrenten für Champagner sind.“ Dieser Aufstieg ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: den Klimawandel, die Investitionen der Champagnerhäuser und den Aufschwung der Weinbaugebiete. Heute werden im Vereinigten Königreich jährlich mehr als 12 Millionen Flaschen Schaumwein produziert, während Ontario seine Rebsorten immer besser an das kühle Klima anpasst. „Britische Stillweine werden die nächste große Entdeckung sein“, fügt Jimmy hinzu. „Mit aufstrebenden Talenten aus Institutionen wie dem Plumpton College und wachsender Expertise im Weinbau stehen diese Regionen an der Schwelle zu einem echten Wendepunkt.“
Artikel - Yolanda Mikkelsen
Yolanda Mikkelsen ist eine diplomierte Wine & Food Connaisseuse, die ihre tiefe Leidenschaft für Aromen ihrem multiethnischen Hintergrund und ihren Reisen durch die ganze Welt verdankt. Seit 2018 moderiert Yolanda internationale Fernsehsendungen, in denen sie die besten Weinregionen der Welt und ihre lokalen Produkte vorstellt. Sie moderiert Veranstaltungen an der Seite von angesehenen Weinproduzenten, Köchen und Sommeliers und sorgt so für unvergessliche kulinarische Erlebnisse. Yolanda hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein und die Wertschätzung für Wein und kulinarisches Wissen weltweit auf eine höhere Stufe zu heben.
Illustration - Florian Gallou
Florian ist ein junger Illustrator und Grafikdesigner aus Nantes, der ursprünglich aus Buenos Aires stammt. Drei Jahre lang hat er sich an der Designhochschule École de Design Nantes Atlantique in Frankreich in Grafikdesign ausbilden lassen, bevor er sich als freier Grafikdesigner selbstständig macht. Seine Projekte im Bereich Corporate Design haben zu einer allmählichen Entwicklung seines grafischen Stils und zum Entwurf von Illustrationen geführt, die seine Arbeiten schöpferisch untermalen. Heute zeichnen sich seine Kreationen durch einen einzigartigen und selbstbewussten künstlerischen Stil aus.
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